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Der Bonner Rat, durchsuchbar - zwei Wege durch OParl-Lite

Belege 23

22 Ratsinformation1 Presse

Die Ratsarbeit der Bundesstadt Bonn ist öffentlich. Jede Vorlage, jede Sitzung, jedes Ratsmitglied steht im Ratsinformationssystem ALLRIS. Öffentlich heißt aber nicht benutzbar: Wer dort etwas sucht, ohne die Drucksachennummer schon zu kennen, verliert schnell eine halbe Stunde. Und wer wissen will, in welchen Ausschüssen eine bestimmte Person eigentlich sitzt, klickt sich durch Gremium für Gremium.

Unter oparl.bonn.machdenstaat.de liegt eine zweite Oberfläche auf denselben Daten. Sie spiegelt das Ratsinformationssystem über die OParl-Schnittstelle - den offenen Standard für kommunale Ratsinformationen - und macht daraus etwas, das man durchsuchen, überfliegen und verlinken kann. Der Titel der Startseite ist Programm: “Bonns Rat, gespiegelt.”

Was da liegt

Startseite von OParl-Lite Bonn mit der Bestandsaufnahme: 200.074 Objekte in neun Typen

Stand 3. September 2026, 14:07 Uhr: 200.074 Objekte in neun Typen.

TypWas drinstehtAnzahl
DateienEinladungen, Niederschriften, Anlagen68.054
TagesordnungspunkteJeder Punkt, der in einer Sitzung aufgerufen wurde62.796
BeratungenWo eine Vorlage in welcher Rolle beraten wurde32.094
VorlagenBeschlussvorlagen, Anträge, Anfragen, Stellungnahmen23.580
MitgliedschaftenWer wann in welchem Gremium sitzt9.000
PersonenRatsmitglieder, sachkundige Bürger:innen, Verwaltung2.568
SitzungenTerminierte, durchgeführte und abgesagte Sitzungen1.614
GremienRat, Ausschüsse, Bezirksvertretungen, Fraktionen, Ämter368
OrteSitzungsorte und Adressen0

Die Tabelle steht so auf der Startseite , mit Zeitstempel daneben, und darunter der Satz, der dieses Projekt von einem Hochglanz-Dashboard unterscheidet:

Der Bestand wird schrittweise aus dem ALLRIS übernommen und ist deshalb nicht zwingend vollständig: Was hier gezählt wird, ist das bislang Gespiegelte, nicht der gesamte Datenbestand der Stadt.

Der Bestand wächst rückwirkend, ältere Datensätze werden nachgetragen, Zahlen verschieben sich. Das ist kein Makel, den man versteckt, sondern eine Eigenschaft, die man mitveröffentlicht. Wer mit den Daten arbeitet, muss wissen, wie belastbar sie sind.

Vier Verzeichnisse sind begehbar: Vorlagen , Personen , Gremien , Sitzungen . Daran entlang zwei Wege - beide können Sie beim Lesen mitklicken.

Weg 1: Die Lokaljournalistin mit Deadline

Sie hat einen Hinweis: Der Rat habe im Sommer über das Sozialticket und ein 19-Euro-Schülerticket entschieden, und die Opposition sei mehrfach abgeblitzt. Kein Aktenzeichen, kein Datum, nur das Stichwort.

Schritt 1 - suchen, ohne zu wissen. Sie tippt sozialticket in das Suchfeld - es steht direkt auf der Startseite und ebenso über dem Verzeichnis Vorlagen . Ab vier Zeichen wird live gesucht, kein Absenden-Knopf, Groß- und Kleinschreibung egal. Gesucht wird in Titel und Drucksachennummer, als Teilzeichenkette; schmi fände auch “Goldschmidt”. Sie muss also weder den exakten Titel noch die Nummer kennen.

Trefferliste für die Suche nach sozialticket im Verzeichnis Vorlagen

Die Trefferliste zeigt sofort den ganzen Vorgang: die Stellungnahme der Verwaltung , eine Vertagungsbitte und drei Änderungsanträge - von den Grünen , von der Linken , vom Bürger Bund Bonn . Alle tragen dieselbe Stammnummer 261103. Der Streit ist an der Trefferliste schon ablesbar, bevor sie ein einziges Dokument geöffnet hat.

Schritt 2 - die Vorlage. Die Detailseite - hier die des Änderungsantrags der Grünen, 261103-02 AA - zeigt Nummer, Art, Veröffentlichungsdatum und letzte Änderung. Den Volltext spiegelt OParl-Lite nicht; die Seite sagt das ausdrücklich und verlinkt ins ALLRIS. Kein Abschreiben aus zweiter Hand.

Detailseite der Vorlage 261103-02 AA mit Kerndaten und Beratungsfolge

Schritt 3 - die Beratungsfolge, und von dort weiter. Darunter steht, wo die Vorlage beraten wurde: Sitzung des Rates, 13.07.2026, als Entscheidung, federführend. Und das ist ein Link.

Schritt 4 - die Sitzung, mit Ergebnissen. Die Sitzungsseite nennt Beginn und Ende, den Status, die beteiligten Gremien, die Teilnehmer:innen, die Dateien (Einladung, Niederschrift - ins ALLRIS verlinkt) und die vollständige Tagesordnung mit ihrer Nummerierung und ihren Beschlussergebnissen.

Tagesordnung der Ratssitzung vom 13.07.2026 mit Beschlussergebnissen zu TOP 6.1

Unter TOP 6.1 steht die ganze Geschichte in sechs Zeilen:

  • 6.1 Kooperation CDU/SPD/FDP: Finanzierung 19 € Schüler*innen Ticket … — geändert beschlossen
  • 6.1.1 Änderungsantrag GRÜNE-Fraktion — abgelehnt
  • 6.1.2 Änderungsantrag Linke — abgelehnt
  • 6.1.3 BBB-Änderungsantrag — geändert beschlossen
  • 6.1.4 Vertagungsbitte — zur Kenntnis genommen
  • 6.1.5 Kooperation CDU/SPD/FDP (Stellungnahme) — zur Kenntnis genommen

Der Kooperationsantrag ging geändert durch, zwei Änderungsversuche fielen, einer wurde in geänderter Fassung mitgenommen, die Vertagungsbitte lief ins Leere. Im ALLRIS steht dasselbe - verteilt über ein halbes Dutzend Klicks und drei Fensterwechsel.

Was sie mitnimmt: eine teilbare URL mit ?q= in der Adresszeile, den Datenstand mit Uhrzeit, den Beschlussstand mit Ergebnis - und für jedes Zitat den direkten Weg ins Original.

Weg 2: Der Anwohner, der wissen will, wer da entscheidet

Er hat von einem Vorhaben in der Nachbarschaft gehört. Er will nicht recherchieren, er will wissen, an wen er sich wendet.

Schritt 1 - welches Gremium tagt wann? Im Verzeichnis Sitzungen sieht er alle gespiegelten Termine, neueste zuerst, jeweils mit Gremium, Datum und Status. Sportausschuss, Schulausschuss, Hauptausschuss, Bezirksvertretung Bad Godesberg , Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger . Für den Laien ist allein diese Liste ein Aha-Moment: Bonn entscheidet nicht “im Rat”, sondern in Dutzenden Ausschüssen und Bezirksvertretungen. Wer ein Gremium beim Namen kennt, sucht es direkt im Verzeichnis Gremien - auch dort live, auch nach Kürzel.

Schritt 2 - vom Termin zum Gremium. Die Sitzungsseite verlinkt das zuständige Gremium. Ein Klick, und er ist beim Rat - oder beim Ausschuss, der die Sache wirklich vorbereitet.

Schritt 3 - wer sitzt da eigentlich? Die Gremienseite listet die Mitglieder, getrennt nach aktuell und ehemalig, jeweils mit Rolle, Zeitraum und Stimmrecht. Beim Rat sind das derzeit 68 aktuelle und 446 ehemalige Mitgliedschaften. Und zwar differenziert: Stadtverordnete/r, Stellv. Mitglied, Sachkundige/r Bürger/in, Vorsitz, Schriftführung - mit oder ohne Stimmrecht. Darunter die Sitzungen dieses Gremiums.

Gremienseite des Rates mit der Mitgliederliste, 68 aktuelle Mitgliedschaften

Schritt 4 - und was macht diese Person sonst? Jeder Name ist ein Link. Auf der Personenseite stehen alle Mitgliedschaften dieses Menschen, aktuelle wie beendete, jede mit Rolle und Zeitraum, jede zurückverlinkt aufs Gremium.

Personenseite mit fünf aktuellen und sechs ehemaligen Mitgliedschaften

Was dabei sichtbar wird, ist im ALLRIS praktisch nicht zu heben. Ein Beispiel aus dem aktuellen Rat, Jutta Acar : fünf laufende und sechs beendete Mitgliedschaften - seit dem 01.11.2025 im Rat , gleichzeitig in der Bezirksvertretung Bad Godesberg , in der BBB-Fraktion im Rat , in der BBB Bezirksfraktion Bad Godesberg und stellvertretend im Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration . Davor, von 2020 bis Oktober 2025, sachkundige Bürgerin im Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger , im Ausschuss für Soziales, Migration und Gesundheit und im Beirat Bürgerbeteiligung . Ein kommunalpolitischer Werdegang auf einer Seite, ohne dass ihn jemand aufgeschrieben hätte - er steht einfach in den Daten. Nebenbei lernt man, dass auch Fraktionen als Gremien geführt werden, mit eigenen Mitgliedschaften.

Was er mitnimmt: Er weiß, welcher Ausschuss zuständig ist, wann der tagt und wer dort abstimmt - bevor entschieden wird. Genau da entsteht Teilhabe, nicht in der Empörung danach.

Und die Kette läuft in beide Richtungen: Vorlage → Sitzung → Gremium → Person → weitere Gremien, und ebenso zurück. Das ist der Teil, den ein Ratsinformationssystem technisch längst hergibt und praktisch fast nie zeigt.

Warum das mehr ist als ein zweites Frontend

Zwei Dinge, die eine bloße Hübsch-Version derselben Daten nicht könnte:

Es benennt seine eigene Unvollständigkeit. Jede Detailseite trägt einen Datenstand mit Uhrzeit, die Startseite sagt in klarem Deutsch, dass der Bestand ein fortlaufender Spiegel ist. Eine Zahl ohne ihren Stempel ist eine halbe Zahl.

Es ist die menschenlesbare Seite eines maschinenlesbaren Stapels. Dieselben Daten liegen hinter einer GraphQL-API und einem MCP-Server. Die Weboberfläche ist eine Sicht auf eine offene Pipeline, kein Silo. Was hier sichtbar ist, ist anderswo abfragbar - für Datenjournalismus, für Auswertungen, für eigene Werkzeuge.

Was heute noch fehlt

Ehrlichkeit gehört auf beide Seiten der Bilanz:

  • Die Beratungsfolge nennt die Sitzung, nicht das Gremium. Der direkte Sprung von der Vorlage zum zuständigen Ausschuss fehlt noch; er führt heute über die Sitzung.
  • Tagesordnungspunkte verlinken die zugehörige Vorlage nicht. Man sieht den Titel und das Ergebnis, muss die Drucksache aber noch selbst suchen.
  • Die Mitgliedschaften sind fast, aber nicht ganz da. Rund 9.000 von etwa 10.000 sind gespiegelt; der Rest läuft nach.
  • Orte sind noch nicht erfasst. Wo eine Sitzung stattfindet, steht nur im ALLRIS.
  • Volltexte werden nicht gespiegelt. Der Weg zum Wortlaut führt ins Ratsinformationssystem.
  • Die Daten sind read-only. OParl-Lite ist ein Lesegerät, kein Beteiligungsportal.

Mitmachen

Das Projekt liegt offen: machdenstaat/oparl-lite-2 auf Codeberg, GPL-3.0. Fehler in den Daten, fehlende Ansichten, Wünsche für weitere Verzeichnisse - als Issue oder als Pull Request.

Kommunale Daten sind öffentlich finanziert. Sie sollten auch benutzbar sein.

Kommentare

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Von hier aus weiter

01

Zum Arbeitskreis kommen

Montags 18:30 · online · ca. 90 Minuten

Offen für alle. Keine Anmeldung, keine Vorkenntnisse nötig.

Arbeitskreis
02

Die Daten selbst durchsuchen

Gespiegeltes Ratsinformationssystem

Vorlagen, Gremien, Personen und Sitzungen, durchsuchbar. Der Bestand ist unvollständig; wie unvollständig, steht dort.

OParl-Lite Bonn
03

Die Methode nachbauen

Quelltext auf Codeberg

Der Crawler, der Bonns Ratsdokumente einliest. Für andere Städte gedacht.

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